gewaltfreie kommunikation erfahrungen

Wie die Gewaltfreie Kommunikation mein Leben bereichert

Ein Beitrag von Jana Ludolf:

Das erste Mal kam ich in meiner Mediationsausbildung mit der Gewaltfreien Kommunikation in
Berührung. Da es in diesem Rahmen nur ein Kommunikationsmodell von vielen war, war der
Zeitrahmen dafür begrenzt. Die vier Schritte der GFK wurden erläutert, kurz und bündig. Eine
Methode eben, um in der Konfliktklärung einer Lösung näher zu kommen. Im Anschluss hatte ich
viele Fragen im Kopf:

Wie kann eine Konfliktlösung funktionieren ohne streiten? Wie können sich die Beteiligten einigen,
wenn sie nur über ihre Gefühle reden? Und warum sollte das eine Möglichkeit sein, bei der sich
alle gesehen fühlen?
Ich fing an über die Gewaltfreie Kommunikation Bücher & Artikel zu lesen. Trotz vieler angeführter
Beispiele und Ideen für die Umsetzung blieb meine Unsicherheit bestehen. Wie kann eine
Integration in den / in meinen Alltag gelingen?

Das Einzige was ich bereits wusste war, die Sprache fühlt sich gut an. Ohne negative Äußerung,
immer positiv klingend – das ist es, was ich mir für meine Kommunikation wünschte. Eine positive
Veränderung. Eine Sprache die andere spüren lässt, dass es mir wirklich um sie und ihre
Bedürfnisse geht. Eine Sprache, mit der ich klar meine Wünsche und Bitten äußern kann.
Nachdem ich dann einen Kurs zum Thema besuchte und dort intensiv das 4 – Schritte – Modell
erklärt bekam, habe ich mich entschieden, diese Sprache zu sprechen.

Das mag nun für den einen oder anderen hochtrabend klingen. Allerdings ist es im Leben häufig
so, dass wir uns für etwas entscheiden müssen, damit die Umsetzung gelingt. Sei es, wir
entscheiden uns für den anderen Job, für den anderen Partner oder für die andere Stadt. Und
genauso ist das auch mit unserer Kommunikation. Nur wenn wir uns bewusst damit
auseinandersetzen und uns für eine Veränderung entscheiden, kann diese auch geschehen.

Ich fing also an die Giraffensprache zu sprechen. Wohlwollend, das dahinterliegende Bedürfnisse
zu sehen, meine Bitten klar zu formulieren. Alles ohne Bewertungen oder Interpretation.
Stattdessen immer wieder einfühlen, um was es gerade wirklich – wirklich geht.
Meine ersten Versuche startete ich daheim bei und mit meiner Familie. Mein Mann schaute
manchmal merkwürdig und meine Kinder fragten, warum ich den nun so anders rede.
Zwischendrin wollte ich immer wieder aufgeben, weil es einfach auch so anstrengend war. Das
anders reden. Ich kam mir vor, als würde ich eine Fremdsprache lernen. Der Knackpunkt war, dass
nur ich die Vokabeln kannte.

Was soll ich sagen, mit der Zeit stellten sich positive Veränderungen in meiner
Familienkommunikation ein. In den Gesprächen mit meinen Kindern wurde ich Zunehmens
gelassener. Meine Kinder verstanden öfters, warum ich bestimmte Dinge von ihnen forderte und
ich verstand, warum sie an manchen Tagen genau darauf keine Lust hatten.

Die Gespräche mit meinem Mann bekamen eine andere Intensität. In einer Partnerschaft zu leben
bedeutet, täglich daran zu arbeiten. Mit der Gewaltfreien Kommunikation wird diese Arbeit nicht
weniger, allerdings fühlt es sich in manchen Momenten nicht danach an.

Wenn ich einer unfreundlichen Verkäuferin gegenüberstand, lächelte ich trotzdem und konnte
erahnen, welches Bedürfnis bei ihr gerade nicht genährt ist. Der Auslöser für ihre Laune war nicht
meine Anwesenheit, sondern vielleicht der Wunsch nach Erholung (aber ihr Urlaub wurde
abgelehnt) oder der Wunsch nach Anerkennung (fehlender Lob vom Chef).

Die Gespräche mit Freunden gewannen an Qualität. Eine einfach Frage „Wie gehts dir heute?“
wird umgewandelt in „Welches deiner Bedürfnisse hast du dir heute erfüllt und welche nicht? Und
was davon drückt dir gerade deine Stimmung?“ Diese klare Kommunikation führte zu einem
tieferen Verständnis für mein Umfeld. Dafür wie sie lebten und aus welchen guten Gründen sie das
tun. Die bereits bestehenden Verbindungen wurden vertieft.

Mein Wille die Gewaltfreie Kommunikation zu leben, hinterließ mit der Zeit auch Spuren bei meiner
Familie und Freunden. Ohne Vorkenntnisse bemühten sie sich ebenfalls die Giraffensprache zu
sprechen. Warum? Weil sie erfahren haben, dass sie gesehen werden – mit all ihren Gefühlen und
Gedanken. Daraus resultierend haben sie (genau wie ich) verstanden, dass wir nur selber die
Veränderung sein können, die wir uns von anderen wünschen.

Nach diesen ganzen positiven Erfahrungen in meinem Privatleben, habe ich die Gewaltfreie
Kommunikation auch in meinen beruflichen Alltag integriert. In meiner Arbeit als Familiencoach
erreiche ich mit dieser positiven Sprache alle Parteien. Gerade in Konfliktsituationen, in denen die
Fronten sehr verhärtet sind, ist die Gewaltfreie Kommunikation ein Eisbrecher. Jeden einzelnen
Schritt dieses Kommunikationsmodells bewusst zu gehen, hilft allen Beteiligten. Sie können einen
Perspektivwechsel vornehmen und in die Haut des Anderen schlüpfen. Entgegenkommen und
Empathie können entstehen.

Mein Wort zum Schluss

Seit dem ersten Treffen der Gewaltfreien Kommunikation und mir sind nun mehr wie fünf Jahre
vergangen. Trotz einer Jahresausbildung und mehrerer Kurse ist die Umsetzung im Alltag immer
wieder eine Herausforderung. Sicherlich gibt es die guten Tagen, an denen die Sonne scheint und
einem alles gelingen kann. Aber es gibt eben auch die dunklen Tage, an denen es schwer fällt.
Sei
es, weil ein Konflikt im Außen vorliegt oder ein Konflikt in mir selber. Sei es, weil ich meine
Bedürfnisse gerade selber nicht erkenne und dann auch nicht die meines Gegenübers.
Trotz aller Schwierigkeiten bin ich froh und dankbar die „Sprache des Lebens“ (wie Marshall
Rosenberg sie nennt) gefunden zu haben. Warum? Weil sie mich unterstützt auf meinem Weg mit
mir und andern. Weil ich andern vorleben kann, was mit Kommunikation alles möglich ist. Weil das
Miteinander leicht sein darf und Kommunikationen auch!

Mehr über die Autorin Jana Ludolf auf ihrer Webseite: http://janaludolf.com/