Blume_Pia

…was bringt dein Herz zum Lächeln?

Ein Beitrag von Pia Gerlach

“Das hast du ja toll gemacht, das kannst du wirklich gut!”
…hat vor kurzem meine Arbeitskollegin mit leuchtenden Augen zu mir gesagt, als sie eine meiner Fotografien gesehen hat. Vielleicht kennst du solche Situationen auch? Wie geht es dir damit?

In mir ist in dem Moment ganz viel vorgegangen…

Ich habe ihre Begeisterung gespürt, ihre Freude und Dankbarkeit beim Betrachten des Bildes. Ich hab mich ein bisschen geschmeichelt gefühlt, und mich gefreut, dass sie mein Foto mag.

Gleichzeitig habe ich in mir einen Widerstand gespürt. Es war so ein Gefühl, als wäre sie meine Lehrerin, die mir sagt, dass ich alles richtig gemacht habe. Ein Gefühl, als gäbe es eine offizielle Messlatte, die festlegt was gut ist, und was nicht – und diesen Maßstab legt sie an mein Bild an. Wenn ich daran denke, sagt in mir eine kleine Stimme “puh, Glück gehabt, dass die Bewertung positiv ausgefallen ist”.
Und ich bin ein bisschen unruhig, denn, wenn mich jemand auf einer Messlatte misst, dann vermisse ich eine Begegnung von Herz zu Herz und auf Augenhöhe. “Mir geht es so und so damit, wie ist es für dich?” anstatt “Du bist toll”.

Es gibt keine allgemeingültige Messlatte. Jede Bewertung, die ich vornehme, um herauszufinden, ob etwas das erfüllt, was mir wichtig ist, ist ja davon abhängig, was mir wichtig ist.
Ich bewerte, was
für mich lebensdienlich ist. Das zu tun ist ganz wertvoll, weil es mir hilft, mein Leben so zu strukturieren, dass ich möglichst viel positive Energie habe.

Wenn ich persönlich z.B. Fotos von Personen betrachte, freue ich mich besonders über Menschen, die natürlich und authentisch wirken, weil ich es so genieße, wenn ich emotional ergriffen bin von dem was ich sehe. Meine Bedürfnisse nach Echtheit und emotionaler Verbindung sind da ausschlaggebend.
Ich habe eine Freundin, deren Wunsch nach Ästhetik und Phantasie entscheidet, was sie als “schön” empfindet – sie zieht eher Fotografien von aufwändig und märchenhaft gestylten Menschen vor – und so manches Bild, das mich tief berührt, findet sie gar nicht ansprechend.

Wenn ich mir dessen bewusst bin, dass das, was mir wichtig ist und was ich brauche, darüber entscheidet, was ich als gut oder nicht gut empfinde, dann wird klar, dass das für jeden Menschen anders ist – weil jedem von uns andere Aspekte und Bedürfnisse besonders präsent sind.
Und genau das finde ich so spannend 🙂

Ich liebe es, zu erfahren, was anderen Menschen wichtig ist, was sie bewegt und berührt, was sie sich wünschen, was sie brauchen um sich wohl zu fühlen. Ich bin so neugierig darauf, weil ich dadurch Anteil nehmen kann an ihrer Welt.

Weil ich so gern wissen wollte, was genau meiner Arbeitskollegin beim Betrachten meines Fotos das Leuchten in die Augen gezaubert hat, hab ich sie noch mal danach gefragt.

Sie sagte mir: “Ich bin fasziniert davon, die Tautropfen auf den Blütenblättern einmal aus einer Perspektive zu sehen, aus der ich sie sonst nie sehe. So ganz nah hin zu schauen, macht mir die Schönheit des Alltäglichen bewusst. Mir öffnet sich dadurch ein neuer, inspirierender Blick auf die Welt, den ich mir oft wünsche, für den ich aber immer wieder mal eine Erinnerung und Ermutigung brauche. Durch dein Bild hab ich wieder mehr von der Kraft in mir gefunden, die es mir ganz leicht macht, den Zauber im Alltäglichen zu finden. Danke dir dafür.”

Wow. Ich bin mega berührt und fühle mich ganz dankbar. Daraus höre ich so viel Wertschätzung und Freude. Ich genieße den Einblick in das, was sie bewegt. Ich genieße es, zu ihrer Freude beizutragen. Und ich bewundere, wie klar sie damit verbunden ist, welche ihrer Bedürfnisse sie sich durch das Betrachten dieses Bildes erfüllt.
Ganz genau zu erfahren, was einen Menschen berührt, was ihn ermutigt, traurig macht, was er sich wünscht, was etwas in ihm oder ihr auslöst… dadurch entsteht für mich so viel Verbindung. Dadurch wird es für mich ganz leicht, mich mit ihm oder ihr auszutauschen, aufeinander zuzugehen, sich immer besser kennen zu lernen, gemeinsam zu träumen.

Ganz unabhängig davon, ob ich nun begeistert oder enttäuscht von etwas bin- wenn es mir gelingt, mir darüber klar zu sein, und mitzuteilen, was mir wichtig ist – welche meiner Bedürfnisse sich erfüllen, oder welche ich gerne erfüllen würde – und wie es mir dabei geht; dann habe ich die Chance, mich mit meinem Gegenüber zu verbinden, uns auszutauschen, zu inspirieren und miteinander zu wachsen.

Vielleicht hast du Lust, in den kommenden Tagen einmal ganz genau in dich hinein zu horchen, wenn dich etwas freut. Was genau ist es, das in dem Moment dein Herz zum Lächeln bringt? Welche Bedürfnisse erfüllen sich dadurch für dich, wie genau macht es dein Leben schöner? Magst du diese Gedanken mit Menschen teilen, die du gern hast, so dass sie ganz genau erfahren, was dich bewegt?
Ich empfinde “Dankbarkeit auszudrücken” als einen ganz wunderbaren Weg, um zu “üben”, mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen, und diese auch zu kommunizieren 😉
Wenn du magst, freue ich mich, darüber zu hören, wie es dir in ähnlichen Situationen geht, einerseits als Empfänger, andererseits als Geber von Dankbarkeit oder Wertschätzung.
Fällt es dir leicht, Dankbarkeit anzunehmen oder zu verschenken?
Magst du mir sagen, ob du mit dem was ich geschrieben habe, etwas anfangen kannst? Welche deiner Bedürfnisse erfüllen sich dadurch? Kann ich noch etwas beitragen, wenn es bei dir unerfüllte Bedürfnisse gibt?
Namasté  <3

Pia