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GFK und Spiritualität 

Ein Beitrag von Thorsten Laakmann

„Überall auf der Welt erzählen mir immer wieder viele Menschen nach Seminaren,
dass GFK dasselbe aussagt wie die Essenz ihrer Religion.“
(Marshall B. Rosenberg)

Zunächst: Es wundert mich, dass Spiritualität in der GFK so selten thematisiert wird. Marshall Rosenberg hat dazu lediglich ein kleines Büchlein hinterlassen „Die spirituellen Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation“… immerhin. Es wundert mich deswegen, weil die GFK mir geradezu geniale Möglichkeiten gegeben hat Spiritualität und gleichzeitig Leichtigkeit zu erleben – innerhalb meiner Religionszugehörigkeit und außerhalb bzw. darüber hinaus. Danke, Marshall Rosenberg, für diese wunderbare Erweiterung meines Horizontes.

Stehen Haltung und Methode der GFK im Einklang und bewirken so kleine und große Wunder, möchte ich diese Wunder etwas Höherem zuschreiben, weil es meinem Erleben und meinem Bedürfnis dieses Erleben zu feiern entspricht. Ich verwende derzeit die Worte geliebte Urliebe für dieses Höhere.

Die geliebte Urliebe spendet – so glaube ich – fortwährend Leben und erinnert gerne daran, dass wir alle aus, von und in der Urliebe leben, mit dieser seit jeher in Verbundenheit geblieben sind. GFK ist für mich, wenn ich diese Verbundenheit (wieder) spüre. Wenn ich sie im Herzen spüre, kann ich sogar die Bedeutung von Haltung und Methode der GFK vergessen. Ich brauche sie dann schlicht nicht mehr präsent zu haben, weil ich auf spiritueller Ebene eine Verbundenheit erfahre, die mich GFK wie von selbst erleben lässt. Zugegebener Maßen ein nicht unbedingt alltäglich erfahrbarer Genuss. Obwohl schön wär´s schon…

Meine christliche Prägung hat diese Verbundenheit immer wieder in Frage gestellt, den Zugang zur Urliebe erschwert oder gar das Getrenntsein betont. Es kostete mich viel Mühe diese Prägung zu überwinden um die Schönheit und Liebe im christlichen Glauben und anderswo zu entdecken. Dabei spricht z.B. Jesus doch im Grunde ganz einfach, wie ich finde: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst“. Im Sinne der GFK heißt das für mich: Die freiwillige Verschönerung des Lebens ist der Sinn meines Lebens. Echt jetzt? Jupp!

Nach meinem Verständnis basiert die GFK auf einem Menschenbild, was die Verschönerung des eigenen Lebens und des Lebens anderer Lebewesen sogar als gemeinsames Urbedürfnis aller Menschen betrachtet.

So, wie ich Jesus verstehe, will er mit seiner Empfehlung zur (Nächsten-)liebe deswegen ebenso auffordern wie schützen. Liebe Deinen Nächsten, ja, und sorge gut für Deine eigenen Bedürfnisse, nochmal ja.

Danke, Jesus für Deine Weisheit und Dein Vertrauen in mich als Mensch, der ganz freiwillig das Leben verschönern möchte.

Und danke an die geliebte Urliebe für einen kurzen Moment der Gewissheit, dass es ein Getrenntsein von der Urliebe für mich und andere nie gegeben hat.

Heute ist in den USA ein neuer Präsident gewählt worden. Was ich bisher von diesem Präsidenten gehört und gesehen habe stimmt mich traurig und besorgt. Gleichzeitig hat mir dieses Ereignis den Anstoß und Mut gegeben diese Zeilen für den GFK-Blog zu schreiben. Danke auch dafür.