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Mein Weg zur GFK- trotz finanzieller Unsicherheit

Ein Beitrag von Heike Kesselring

Ganze fünf Jahre lang durfte ich im fortgeschrittenen Alter noch zwei neue Berufe lernen. Zum Einen Sozialassistentin und zum Zweiten Heilerziehungspflegerin. Obwohl in beiden Ausbildungen das Fach Kommunikation angeboten wurde, kam die Gewaltfreie Kommunikation nicht zur Sprache. Meine beiden Ausbildungen absolvierte ich von 2009 bis 2014 – also einer Zeit, da die Sprache des Friedens auch in Deutschland schon lange bekannt war.

Während ich im sozialen Netzwerk „Xing“ eine Gruppe zum kommunizieren suchte, stieß ich auf das Kürzel GFK, weil mir dieses bei der Suche –Kommunikation- angezeigt wurde. Mein Interesse war geweckt und ich trat der Gruppe bei. Die Themen der Gruppe interessierten mich sehr und ich schrieb auch gern, doch merkte ich sehr bald, dass es bei den Kommentaren auch manchmal eben nicht gewaltfrei zu ging und auf Bewertungen und Beurteilungen nicht verzichtet wurde. Das war ziemlich enttäuschend für mich, weil ich Harmonie und Frieden viel lieber mag.

Nun hörte ich mich um und suchte auch im Internet nach Angeboten und Möglichkeiten, in der näheren Umgebung von Pirna die Gewaltfreie Kommunikation zu erlernen. Zuerst kam ich zu einer Gruppe – ziemlich am anderen Ende von Dresden und weit vom Zentrum und meinem Wohnort entfernt. Ich zahlte für die Bahnfahrt acht Euro und für die Teilnahme an einem Abend ebenfalls acht Euro. Ganze zwei Mal war ich dabei, um dann fest zu stellen, dass es mein Budget übersteigt. Etwas Wunderbares habe ich der Gruppe trotzdem entnehmen können. Erstens die tolle Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn jeder den anderen aussprechen lässt und wenn ich ungeteilte Aufmerksamkeit erhalte und zweitens ein Buch, welches ich mir geliehen hatte „Konflikte lösen mit Gewaltfreier Kommunikation“. In diesem Buch wird M. B. Rosenberg interviewt und der Leser erfährt sehr persönliche Dinge über den Autor – den Menschen der die GfK ins Leben rief. Nachdem ich dieses Buch zu Ende gelesen hatte, war mir Herr Rosenberg noch mehr ans Herz gewachsen und mein Wunsch verstärkt, ihn überall in meinem Umfeld und darüber hinaus bekannt zu machen. Seine Motivation ist meine Motivation – Frieden auf dieser Erde.

Die größten Hindernisse stellten wirklich die Kosten für Übungsgruppen und Seminare dar. Selbst wenn ich meine Situation GfK-Trainern und Trainerinnen schilderte, gab es keine Möglichkeit kostenfrei ihren Gruppen beizuwohnen. Einer Trainerin habe ich beim Umzug geholfen und bekam daher eine Freistunde. Nur merkte ich während der Hilfe, dass sie alles andere als giraffisch über ihren Exfreund kommunizierte und Dankbarkeit nicht das Selbstverständlichste für sie war. Im persönlichen Gespräch erfuhr ich, dass sie keine Lust habe, ständig darauf zu achten, dass sie auch gewaltfrei kommuniziere, weil es zu viel Konzentration erforderte. Mag es sich nun nach überschraubten Erwartungen meinerseits anhören – ich verlor das Vertrauen in die Dame just ab dem Moment. Als Umzugshelfer wurden nur die Deutschen eingeladen zur Einweihung der neuen Wohnung, nicht aber mein irakischer Kumpel, den ich ebenfalls für den Umzug angeheuert hatte und der sich schon sehr früh für sie auf den Weg gemacht hatte, um mit vollem Elan eine große Anzahl an Stunden zu helfen. Auch darüber war ich enttäuscht…das sprengt aber das eigentliche Thema…

An der Volkshochschule kosten die Seminare auch nicht weniger als 100€. Das überschreitet mein Budget, weil ich einen Schuldenberg von 25.000€ „besitze“, der durch meine letzte Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin – über das Meisterbafög – entstanden ist. Ganz zu schweigen von Wochenendseminaren, welche an die 1000€ kosten. Davon darf ich nur träumen.

Was möglich ist – das Kaufen von Büchern, hin und wieder, bei Amazon. Dort suche ich mir die Gebrauchten aus, weil sie manchmal nur ein Drittel vom Originalpreis kosten. Da ich nicht rauche und kaum mal trinke, mir keinen Kinobesuch leiste und nicht in den Urlaub fahre, leiste ich mir „Bücher-Schätze“ und bin glücklich damit. Nun kann man Kommunikation aber nicht nur mit Hilfe guter Bücher lernen – oh nein – es bedarf Kommunikationspartner. Deshalb kam ich auf die Idee, eine Übungsgruppe in Pirna zu gründen. Doch wen immer ich ansprach – ich stieß auf Desinteresse und Ignoranz.

Ich gab nicht auf und ging ins Familienberatungszentrum „famil“, in dessen Gebäude sich das „Kiss“ befindet – ein Verein, der vorwiegend älteren Menschen Beratung bietet, aber auch vielen Gruppen räumliche Möglichkeiten bietet. Dort brachte ich nun mein Anliegen an und die Leiterin brachte eine Anzeige für eine „Gesprächsgruppe“ in die Zeitung. Sie war eben nur der Meinung, dass die Anzeige zu umfangreich würde, wenn wir die Gewaltfreie Kommunikation nach M. B. Rosenberg mit einbringen.

So kam es, dass von den sieben Frauen, die sich innerhalb einer Woche gemeldet hatten, über die Hälfte keine Ahnung von dieser neuen empathischen Kommunikationsart hatten, so wie bei mir vor drei Jahren noch. Ich habe morgen meinen ersten Vorstellungsabend und da von den Mitgliedern der Gruppe nur etwa ein Drittel auf Mails von mir antworten, lasse ich mich einfach überraschen, wie viele kommen und was die Vorstellungen und Wünsche sind.

Auf jeden Fall freue ich mich auf jede Bekanntschaft von Kommunikationsbegeisterten und auf die Herausforderung, die mir durch die Organisation der Gruppe gestellt wird. Für mich ist es eine Möglichkeit, neben dem Offenhalten meiner Ohren bei Gesprächen überall rings um mich, die GfK zu trainieren und zu festigen. Es gibt auch einen tollen Menschen aus Wien, bei dem ich derzeit einen kleinen Crash-Kurs belege – kostenlos, denn auch er ist durch Rosenbergs Werke und Einstellung sehr motiviert es unter recht viele Menschen zu bringen.

Liebe Grüße und ganz vielen Dank für Ihre Zeit,

Heike Kesselring

 

Bildquelle: pixabay.com