2016-lebensgefuehl_passend

Brücken bauen für Vertrauen in Vielfalt

Ein Beitrag von Achim Rackel

Wann hast du dich das letzte Mal als Geschenk gefühlt?

Aus einem Seminar-Wochenende zurückkehrend, was vor ein paar Tagen stattfand, fühlte ich mich im Fluss von großer Freude. Obwohl es außergewöhnlich sommerlich heiß war und die Hitze allen, Teilnehmer*innen wie mir als Trainer, sichtlich zusätzliche physische und mentale Anstrengung abverlangte, fanden wir uns zum Abschluss des Wochenendes in einem gemeinsamen Taumel von Gefühlen beschenkt wieder. Einklang, Gelassenheit, Leichtigkeit füllten den Raum. Aber was war es nun genau, was uns nach freudiger Anstrengung derartig beschenkte? Ich fragte mich: „Wer oder was war denn hier das Geschenk? Waren es die Teilnehmer*innen, war ich es, war es das Thema?“

Dass liebende Paare das Gefühl teilen, dass jeder begehrt und jeder gewährt, ist nichts Neues und im Idealfall ist es ein Verhältnis aus Geben und Nehmen von Herzen. Aber lässt ein Verhältnis von Teilnehmer*innen zum Trainer das zu? Nach Seminarende erinnerte ich mich an ein Zitat von Marshall Rosenberg: „ … das Geben und Nehmen ein Fluss zwischen mir und anderen ist und auf Einfühlsamkeit beruht“ und „ … dass die Freude am einfühlsamen Geben und Nehmen unserem natürlichen Wesen entspricht“.

Wir hatten u.a. an diesem Wochenende in Rollenspiel-Settings hochgradig eskalierte Gewaltsituationen bei Gefahr von Krisen deeskaliert und „labortechnisch“ gelöst und damit gewissermaßen die unmissverständliche „Flughöhe“ in der Jahres-Ausbildung zum Antigewalttrainer erreicht.

Diese Settings erfordern den Umgang mit entsprechendem Empathievermögen, welches sich alle Teilnehmenden über den Zeitraum von 8 Wochenenden in dem Kurs angeeignet und trainiert hatten. Diese Empathie überträgt sich auf alle Beteiligten, denn in den Rollenspielen geht es um das Erleben von Selbstvertrauen und das Schaffen von Lebensenergien, um Begeisterung den eigenen Entdeckergeist aufzuspüren, Gestaltungslust, um Brückenbauerkunst für Vertrauen in Vielfalt und um eigene und gemeinsame kreative, innovative Lösungen zu finden. Kreativität entdecken vermeint hier, die individuell erworbenen praktischen Fähigkeiten, Kenntnisse, Begabungen und Vorstellungen mit denen der anderen verschmelzen zu lassen. Eine entscheidende Voraussetzung zur Entwicklung dieser Kreativität ist das Transformieren der persönlichen Angst in Lebensenergie, welches wiederum der Belebung von wechselseitigem Vertrauen dient.

Das war es, was wir feierten! Wir feierten uns alle, mit den erzielten Ergebnissen unsere Bedürfnisse erfüllt zu haben, als Geschenk!

Vielleicht regt dich das an, dich zu fragen, wann DU dich das letzte Mal als Geschenk gefühlt hast?

Die oben beschriebenen, angehenden Antigewalt-, Deeskalations- und Konflikttrainer*innen sind in der Endphase der Ausbildung, die im Oktober 2016 zum Abschluss kommt. Danach werden sie  tatkräftig mit ihren Qualitäten, ob privat oder beruflich, zur Gewaltfreiheit in der Gesellschaft beitragen. Ich danke euch jetzt schon für Eure engagierte Teilhabe und wünsche nachhaltige Erfolge bei eurer alltäglichen Gewaltfrei-Arbeit. Ein Herzliches Willkommen im Club!

Achim Rackel